
Tolle CD-Kritik in der “Akustik Gitarre”!
IAN MELROSE
Seven
(Akustische Musik)
Er muss nichts mehr beweisen. Er muss es auch nicht erklären. Dennoch erklärt er, warum dieses siebte Ian-Melrose-Album “Seven“ heißt. Aber wen interessiert das angesichts solcher Musik? Die ungebrochene Freude am Komponieren zeigt sein eigener beschwingter Folk-Jazz-Walzer “The Butterfly“ in bester Jansch/Renbourn-Tradition, der Spaß am Arrangement in einer göttlich raffinierten und doch eingängigen und entspannten Version von “Swing Low, Sweet Chariot“ . Es gelingt ihm, klassische Musik mit einer Würde und Leichtigkeit zu spielen, wie es kaum ein Konzertgitarrist konnte (“Adagio“). Auch vor Abgegriffenem schreckt er nicht zurück: Ob noch ein “Manha da Carnival“ oder ein weiterer “Danny Boy“ nötig war, fragt man sich – und kapituliert dann vor der entwaffnend authentischen Stilfertigkeit, mit der der Schotte es transkribiert und arrangiert. Und vor der Lässigkeit, mit der das Album von Irland nach Brasilien, von keltisch nach argentinisch (“Aire de Berlin Milonga“) und schließlich zum berüchtigten Rockmonster “Smoke on the Water“ geht, das in dieser Version das Zeug zum Fingerstyle hat Klassiker. All dies fließt so unverschämt beiläufig aus der Hand von Ian Melrose, dass selbst der erfahrene Zuhörer leicht den Blick für die schwindelerregend hohe technische Leistungsfähigkeit dahinter verliert. Und Toningenieur Jörg Surrey mischt den Klang von Melroses Avalon- und Kreul-Stahlsaiten wunderbar zu einem magischen Dreieck zwischen High-Tech-Klarheit, sympathischer Lebendigkeit und einem Hauch Mystik.
Michael Lohr